6. August 1945: Offener Brief an die Leser des "Kölnischen Kurier"

Unter deutscher Redaktion - demnächst auch in neuem Gewande - erscheint nunmehr unsere Zeitung. In Zukunft wird also diese einzige Kölner Zeitung von Männern geleitet, die wir kennen und deren tapfere und anständige Gesinnung sich in den hinter uns liegenden leidvollen zwölf Jahren erprobte. Von Herzen freuen wir uns dieses Fortschritts. Diese Zeitung wird zunächst das einzige Sprachrohr sein zwischen der Bürgerschaft, die nunmehr auf 320.000 Köpfe angestiegen ist, und der Stadtverwaltung. Sie soll Euch unterrichten über unser Tun und Lassen, sie soll uns unterrichten über das, was Euch besonders am Herzen liegt, und über das, was Ihr auszusetzen habt.

Kritik ist gut, Kritik muss sein. Aber vergesst nie bei aller sicher oft verständlichen Kritik, wie tief der Abgrund ist, aus dem wir Zoll für Zoll emporklimmen müssen, und dass wir darum uns mit Geduld wappnen müssen. Vergesst auch nie: Das Chaos, das wir durch gemeinsame harte Arbeit ordnen und neu gestalten müssen, ist die Schuld und das notwendige Erbe des Nationalsozialismus und des Militarismus.

gez. Adenauer
Oberbürgermeister

Quelle: Kölnischer Kurier Nr. 21 vom 7.8.1945. Abgedruckt in: Adenauer. Briefe 1945-1947 (Rhöndorfer Ausgabe). Hg. von Rudolf Morsey und Hans-Peter Schwarz. Bearb. von Hans Peter Mensing. Berlin 1983, S. 68.