Konrad Adenauers Italienreise 1895
 
 

Es ist wohl Freitag, der 31. Mai 1895 gewesen, als sich unmittelbar vor dem Pfingstfest am 2./3. Juni der 19jährige Studioso der Jurispudenz Konrad Adenauer mit seinem Freund Raimund Schlüter und einem weiteren Kommilitonen Schulte zu einer sechswöchigen Tour vom Studienort München nach Oberitalien aufmachen. Einen Teil der Strecke legen sie zu Fuß zurück, benutzen zwischendurch die günstigste Wagenklasse der Eisenbahn, übernachten in Bauernhöfen und ländlichen Gasthäusern und lernen so Land und Leute kennen. Der Weg führt sie von bayerischen Metropole über Mittenwald, Innsbruck, Brixen, Bozen, Meran und den Gardasee nach Venedig.

In der Adenauer-Literatur fand diese Reise erstmals in der 1955 veröffentlichten Biografie von Paul Weymar "Konrad Adenauer", die der Bundeskanzler damlas selbst autorisierte, mehr allgemeine Erwähnung. Dort heißt es, die Reise führte von Venedig weiter Richtung Florenz, Ravenna und Assisi. Auf der Rückkehr ging den drei Abenteuerern das Geld aus und sie beschlossen in einem Dorf am Achensee den ansässigen Pfarrer um Hilfe "anzuborgen". Am Seeufer fanden sie mehrere Fische und ließen sich diese im nächsten Gasthaus zubereiten (S. 36 f.).

Für die Erstellung des Manuskritps der Biografie von Paul Weymar stellte Konrad Adenauer offenbar Dr. Roswitha Theile-Schlüter, die daran mitwirkte, seinen handschriftlich verfassten Reisebericht zur Verfügung. Dieser wurde im Bestand Dr. Aloys Theile/Nachlass Dr. Theile-Schlüter überliefert und nunmehr entdeckt. Offenbar hat Konrad Adenauer nach der Rückkehr in München am 12. Juli 1895 begonnen, den Bericht in einem einfachen Schulheft niederzuschreiben. Die Schilderung des Reiseverlaufs bricht jedoch kurz vor Erreichen Venedigs am Gardasee ab. Der Grund ist mit großeren Wahrscheinlichkeit der Tatssache geschuldet, dass an dieser Stelle das Heft vollgeschrieben war. Somit ist nicht auszuschließen, dass Konrad Adenauer auch den weiteren Verlauf in einem weiteren Heft festgehalten hat, das jedoch nicht mit dem ersten Heft überliefert oder vielleicht auch abhanden gekommen ist. Möglicherweise hat Konrad Adenauer aber auch den weiteren Reiseverlauf nicht mehr schriftlich festgehalten. Gleichwohl ist es ein wichtiges, bisher völlig unbekanntes Schriftstück aus seiner Jugend- resp. Studentenzeit, aus der nur sehr wenige Dokumente erhalten sind.

Im Nachlass Konrad Adenauers (StBKAH) sind lediglich eine Reihe von Aufnahmen erhalten, die auf dieser Reise entstanden sind und am Ende der Aufzeichnung hier hinzugefügt wurden.

Hanns Jürgen Küsters

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